9 Konversationsfehler

Das Magazin ‚Harvard Business Manager‘ beschreibt 9 Konversationsfehler, die uns am häufigsten passieren. Sind wir uns dieser Fehler bewusst, können wir unsere Haltung bei Gesprächen ändern und mit anderen, erfolgreicheren Strategien Gespräche führen.

 

Fehler 1: Wir wollen siegen

Wenn schwierige Gespräche eskalieren, liegt das oft daran, dass wir einen Kardinalfehler begangen haben: Wir haben in den Kampf-Modus geschaltet. Dadurch wird die Konversation zu einem Nullsummenspiel, mit einem Gewinner und einem Verlierer. Aber die Wahrheit ist: Wenn Gespräche so verlaufen, dann sieht jeder schlecht aus und verliert - insbesondere im Büro. Der wahre Gegner ist nicht Ihr Gesprächspartner, sondern der Kampf-Modus an sich.

 

Fehler 2: Wir vereinfachen zu sehr

Wenn alles so eindeutig wäre, würden Sie sich wahrscheinlich nicht mit Ihrem Gegenüber streiten. Wir versuchen, eine simple Ursache für unsere vielen Probleme zu finden, weil es entmutigend ist, die verschiedenen Konflikte auf einmal anzugehen. Aber die Existenz einer solchen Hauptursache ist oft eine Illusion. Um nicht zu stark zu vereinfachen, sollten Sie sich selbst daran erinnern: Wenn die Probleme nicht kompliziert wären, wäre es vermutlich nicht so schwer, darüber zu reden.


 

Fehler 3: Wir zeigen nicht genug Respekt

Sie vermeiden zu starke Vereinfachungen, wenn Sie das Problem ernst nehmen, das Sie lösen wollen. Um den Kampf-Modus zu vermeiden, müssen Sie tiefer gehen - Sie müssen die Person respektieren, mit der Sie sprechen. Und Sie müssen sich selbst respektieren. Stellen Sie sicher, dass Sie sich im Gespräch so verhalten, dass Sie danach noch in den Spiegel schauen können. So vermeiden Sie, aus der Bahn geworfen zu werden, wenn Ihr Gegenüber sich offen feindselig verhält.

 

Fehler 4: Wir hauen drauf - oder ziehen uns zurück

Angst, Wut, Verlegenheit, Verteidigungshaltung - Gespräche können alle möglichen negativen Gefühle in uns auslösen, die wir sonst nicht hätten. Einige von uns reagieren mit Aggressionen. Andere versuchen, die Dinge möglichst schnell unter den Teppich zu kehren. Manchmal kommt es auch zu einem Hin-und-Her zwischen beiden kontraproduktiven Polen. Suchen Sie stattdessen die Goldene Mitte: Formulieren Sie klar, was sie wollen. Die negativen Gefühle werden nicht verfliegen. Aber mit etwas Übung werden Sie lernen, sich stattdessen auf das gewünschte Ergebnis zu konzentrieren.

 

Fehler 5: Wir fallen auf miese Tricks herein

Lügen, Drohungen, Mauern, Weinen, Sarkasmus, Schreien, Schweigen, Anklagen, sich beleidigt fühlen: Harte Gespräche können ein ganzes Arsenal von miesen Tricks hervorbringen. Nur weil Sie versuchen, nicht in den Kampf-Modus zu verfallen, gilt das nicht unbedingt für Ihr Gegenüber. Aber auch Sie haben einiges in Petto, um zu reagieren von passiv bis aggressiv . Wieder ist es am effektivsten, den Mittelweg zu wählen: Machen Sie einen miesen Trick unschädlich, indem Sie ihn thematisieren. Wenn Ihr Gegenüber zum Beispiel nicht mehr antwortet, sagen Sie einfach: "Ich weiß nicht, wie ich Ihr Schweigen interpretieren soll."

 

Fehler 6: Wir lassen uns verwunden

Jeder hat einen Schwachpunkt. Und wenn jemand unseren findet - egal ob ohne Absicht, mit einem verirrten Pfeil oder weil er hofft, uns weh zu tun - wird es noch schwerer, ruhig und besonnen zu bleiben. Vielleicht ist Ihr Schwachpunkt mit Ihrer Arbeit verbunden - zum Beispiel, weil Sie finden, dass Ihre Abteilung nicht die nötige Anerkennung bekommt. Oder vielleicht ist es persönlicher. Was immer es ist: Nehmen Sie sich Zeit und denken Sie über Ihre Schwachpunkte nach. Allein zu wissen, wo Sie verwundbar sind, wird Ihnen helfen, die Kontrolle zu behalten, wenn jemand Sie dort angreift.

Fehler 7: Wir proben den Ernstfall

Droht ein Gespräch schwierig zu werden, legen wir vorher häufig im Kopf zurecht, was wir sagen wollen. Aber ein Streitgespräch ist keine Aufführung, mit einem Schauspieler und einem Publikum. Sobald das Gespräch begonnen hat, kann Ihr Gegenüber auf unzählige Weisen reagieren – mit einem festen Drehbuch im Kopf können nur schwer aktiv zuhören und sofort reagieren. Fragen Sie sich stattdessen: 1. Was genau ist das Problem? 2. Was könnte mein Gegenüber für das Problem halten? 3. Was möchte ich erreichen? 4. Welche Arbeitsbeziehung möchte ich zu meinem Gegenüber haben? Sie können auch Ihren Gesprächspartner bitten, sich vor dem Treffen ebenfalls diese Fragen zu stellen.

 

Fehler 8: Wir unterstellen unserem Gegenüber Absichten

Optimisten glauben, dass jeder Meinungsverschiedenheit nur ein Missverständnis zwischen zwei wohlmeinenden Menschen ist; Pessimisten meinen, dass der Dissens die Folge unlauterer Angriffe ist. In der Hitze der Diskussion verlieren wir den Sinn dafür, dass wir die Intentionen anderer Menschen nicht kennen können - nur unsere eigenen. Behalten Sie im Kopf, dass Sie und Ihr Gesprächspartner beide mit dieser Vieldeutigkeit klar kommen müssen. Wenn Sie im Gespräch vor einer Sackgasse stehen, könnten Sie folgenden Satz ausprobieren: "Wenn wir so miteinander sprechen, merke ich, dass ich nicht völlig verstehe, wie Sie dieses Problem sehen." Zuzugeben, etwas nicht zu wissen, kann eine wirkungsvolle Strategie sein, um das Gespräch wieder in die richtigen Bahnen zu lenken.

 

Fehler 9: Wir verlieren das Ziel aus den Augen

Der Schlüssel für jedes Streitgespräch ist, immer das Ziel im Auge zu behalten. Gehen Sie mit einem klar definierten, realistischen Ziel in das Gespräch; Sie sollten wissen, wie Ihre Arbeitsbeziehung zu Ihrem Gegenüber aussehen soll; ebenso sollten Sie sich Gedanken gemacht haben, welche Schwierigkeiten auftreten könnten. (Erinnern Sie sich: Gewinnen ist kein realistisches Ziel, weil Ihr Gegenüber sehr wahrscheinlich Verlieren als Gesprächsergebnis nicht akzeptieren kann). Wenn Sie die Übung aus Fehler 7 gemacht haben, sollte das einfacher sein. Und es wird unwahrscheinlicher, dass miese Tricks oder Ihre eigenen Emotionen Sie aus dem Sattel werfen.

 


 

Fazit: Klarer Inhalt, neutraler Ton, sorgsame Wortwahl

Wenn wir auf dem falschen Fuß erwischt werden, fallen wir in alte, ineffektive Gewohnheit zurück wie den Kampf-Modus. Wenn Sie nicht derjenige sind, der eine harte Diskussion anstößt, oder wenn ein Problem sozusagen aus dem Nichts auftaucht, halten Sie sich an diese Grundregeln: Seien Sie inhaltlich geradlinig, halten Sie ihren Ton neutral und wählen Sie ihre Worte sorgsam. Wenn Meinungsverschiedenheiten eskalieren, werden Sie so mit größerer Wahrscheinlichkeit ein produktives Ergebnis erreichen - und Ihre Reputation keinen Schaden nehmen.

 

Quelle:
Harvard Business Manager, (
www.harvardbusinessmanager.de) Blogartikel zu 9 Konversationsfehlern  aus
"How Conversations go wrong and what you can do to right them" von Holly Weeks.

  

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